HISTORISCHES RATHAUS BERLIN-FRIEDRICHSHAGEN - EINES FÜR ALLE

Home Events Finissage & Künstlergespäch – AUSSTELLUNG „ATME!“
abgesagt

Finissage & Künstlergespäch – AUSSTELLUNG „ATME!“

UPDATE: Die Finissage mit Künst­ler­ge­späch am Samstag, 21. November 2020 um 16.00 Uhr ist abgesagt. 

Frank Sil­berbach (Fotograf) im Gespräch mit Nicole Woi­schwill und Marc Zenner

………………………………………………….

Aus­stellung 11.10. – 21.11.2020
+++Auf Grund der aktu­ellen Corona-​Verordnung sind ab 2.11. keine öffent­lichen Besich­ti­gungs­termine mehr möglich +++

…………………………………………………..

»ATME!«

Die Arbeiten, die Nicole Woi­schwill und Marc Zenner im Monat der Foto­grafie im Off-​Programm zeigen, ent­standen, als die Welt noch nichts von jenem Krank­heitsbild wusste, das jetzt unseren Atem anhält. Doch schon vor Corona fordern beide: »ATME! «– denn ihren Foto­grafien liegt das Bedürfnis der Jetzt-​Zeit zu Grunde, nämlich TROTZDEM! Atem zu holen.

Foto­grafien Marc Zenner/​Nicole Woi­schwill | Layout Flyer & Plakat: Sebastian Köpcke

Wie eine Erlösung von allem Bösen wirkt die schwarze Roll­trep­pen­fahrt, die Marc Zenner am Pots­damer Platz auf­ge­nommen hat; hin­auf­ge­stiegen in den Himmel aus der Hölle der Unter­sicht. Zenners extreme Ansichten in den Serien URBANE EIN­FACHHEIT, STRAS­SEN­FO­TO­GRAFIE, STADT-LICHT-SCHATTEN, die harten Dia­go­nalen,  Blick­winkel und Schlag­schatten geben sowohl dem Stadtraum fotogene Fas­sungen als auch den Men­schen, die zufällig und immer irgendwie deko­rativ darin agieren. Zenners Bild­sprache und Motive gleichen den Szenen aus Expres­sio­nismus und Film noir. Sie sind vom Zufall und einem genauen Blick arran­giert und ins post­post­mo­derne, digitale Zeit­alter über­führt. Wie zum Bei­spiel der Schat­tenwurf des Irokesen-​Scherenschnitts einer Gruppe von Punks auf Stufen aus grauem Beton.

Farbe gibt eben­falls den Ton an, wenn Zenner nach draußen geht. Her­vor­ste­chend ist das Atemblau des erwähnten Roll­trep­pen­motivs, das die dunkle Sti­ckigkeit der Unterwelt ins Über­ir­dische öffnet. In einem anderen Bild, scheinbar gerade vorher ent­standen, rahmt das satu­rierte Gelb der abfah­renden U-​Bahn den Schriftzug STADT­MITTE so ent­scheidend momenthaft ein, als ob der Fotograf bei der Auf­nahme den Atem ange­halten hätte.

Wo Zenners Auf­nahmen im Draußen statt­finden, taucht Nicole Woi­schwill in die Was­ser­atmung ab. Ihre Serie VOM EIGENSINN DER LEISEN DINGE wendet sich kon­se­quent nach Innen und nimmt dem Betrachter jeg­liches Zeit­gefühl. Das wird noch dadurch betont, dass Woi­schwill aus­schließlich analog foto­gra­fiert. Alles fließt, die Licht und Schat­ten­tänze von Was­ser­getier sind eine einzige Atem­be­wegung, ihre sinn­lichen Grau­stufen eine stille Hingabe an das Leben. Alle Objekte wirken eigen­tümlich museal: Ein Polarbär blickt, aus Unter­sicht auf­ge­nommen, ins Schein­wer­fer­licht seines eigenen Todes. Zwar hat er dabei etwas Freund­liches, fast Ver­spieltes, so wie er hier arran­giert ist, aber der Begegnung mit dem Taxi­der­mi­schen liegt eine ver­stö­rende Motiv­ur­sache zu Grunde, die allen som­nam­bulen Expo­naten gemein ist: Aus­löser der Serie war laut Woi­schwill 2015 der Ter­ror­an­schlag im Pariser Bataclan. Auf Woi­schwill flu­teten zu diesem Zeit­punkt besonders beruflich bedingt immer neue Bilder aus der grau­samen Wirk­lichkeit ein. Allzu greifbar lie­ferte der Schwall der objek­tiven Bilder der Nach­rich­ten­agentur Beweis um Beweis, was Men­schen ein­ander antun können.

Gewalt, Tod rauben den Atem, die eigene künst­le­rische Arbeit, der Rückzug ins Museum, ist bei Woi­schwill ein Reflex. Die Nabel­schnur zur Dring­lichkeit der äußeren Welt reißt in ihren Arbeiten dennoch nicht ab. Vielmehr schaffen sie einen ganz eigen­wil­ligen Raum für ein visu­elles Durchatmen.

Der Kon­trast von Innen und außen, aber auch die Ver­bindung von beidem, die in der Fried­richs­ha­gener Aus­stellung durch die Linsen von Marc Zenner und Nicole Woi­schwill ent­steht, ver­deut­lichen in ihrer Zusam­men­schau so, was Atme! aus foto­gra­fi­scher Sicht bedeutet: nämlich ein Inne­halten mit den Augen.

Text: Dr. Melanie Stumpf

 

……………………………………………………………………

Coro­nabe­dingte Hinweise: 
– Die AHA-​Regeln sind ein­zu­halten (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken)
– Gäste müssen sich in eine „Nach­ver­fol­gungs­liste“ eintragen
– Etwaige Zugangs­be­schrän­kungen – Bitte infor­mieren Sie sich hier kurz­fristig über die dann gel­tenden Regeln

* Für mobi­li­täts­ein­ge­schränkte Mit­bürger: Alle Ebenen des his­to­ri­schen Rat­hauses sind bar­rie­refrei mit einem Aufzug erreichbar. Zugang über den neuen Haupt­eingang – ehem. Toreinfahrt.

Ände­rungen vor­be­halten – Bitte infor­mieren Sie sich vor Beginn der Ver­an­staltung über mög­liche Orts- & Terminänderungen.

 

 

Datum

Sa 21 Nov 2020

Uhrzeit

16:00 - 18:00

Ort

nur Online
Kategorie
BürgerRathaus Friedrichshagen e.V.

Veranstalter

BürgerRathaus Friedrichshagen e.V.
Website
https://www.rathaus-friedrichshagen.de/buergerrathaus-friedrichshagen-e-v/
Scroll to top